Am Anfang war das Wort

Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein

Johann Wolfgang von Goethe war auf Italienreise und hielt sich für einige Zeit in Venedig auf. Es ist der letzte Tag in Venedig. An Charlotte von Stein schrieb er folgenden Brief: Wieder ein kleines Lebenszeichen von deinem Liebenden und ich hoffe und weiß Geliebten. Mein erstes auf einem ähnlichen …

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Christian Morgenstern: Wasserfall bei Nacht I, II

Ruhe, Ruhe, tiefe Ruhe. / Lautlos schlummern Menschen, Tiere. / Nur des Gipfels Gletschertruhe / schüttet talwärts ihre / Wasser. // Geisterstille, Geisterfülle. / öffnet Eure Himmelsschranke! / Bleibe schlafend, liebe Hülle, / schwebt, Empfindung und Gedanke, / aufwärts! // Aufwärts in die Geisterhallen / taste dich …

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Die Olive

Auf seiner Reise durch Italien entdeckt der Erzähler aus dem Land der Tausendundeine Nacht Märchen auf einem der zahlreichen Hügel einen Olivenhain. Schon von Weitem ist der Hain mit seinen zahlreichen schmalen silbrigen Blättern zu erkennen. Er spaziert darauf zu und desto mehr er sich dem annähert …

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Annette von Droste-Hülshoff: Am Ostersonntage

O jauchze, Welt, du hast ihn wieder, / Sein Himmel hielt ihn nicht zurück! / O jauchzet, jauchzet, singet Lieder! / Was dunkelst du, mein sel’ger Blick? // Es ist zu viel, man kann nur weinen. / Die Freude steht wie Kummer da; / Wer kann so großer Lust sich einen, / Der all so große Trauer sah? // Unendlich Heil hab’ ich …

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Sigmund von Birken: Am Karfreitag

O Jesu, deine Sieben Wort, / Mit denen du am Creutze dort / Hast gute Nacht gegeben, / Die laß einst seelig führen fort / Auch mich aus diesem Leben. // Laß mich vergeben meinem Feind / Und sterben aller Menschen Freund, / Von gutem Herzen bitten / Vor jeden der es bös gemeint. / Diß waren deine Sitten. // Laß mich bestellen …

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Annette von Droste-Hülshoff: Am Charfreitage

Weinet, weinet, meine Augen, / Rinnt nur lieber gar zu Thränen; / Ach, der Tag will euch nicht taugen, / Und die Sonne will euch höhnen! / Seine Augen sind geschlossen, / Seiner Augen süßes Scheinen; / Weinet, weinet unverdrossen, / Könnt doch nie genugsam weinen! // Als die Sonne das vernommen, / Hat sie eine …

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Achim von Arnim: Ostern

Vom Erdenstaub zu reinen, blauen Lüften / Dringt weit der Blick in ersten Frühlingstagen, / Und höher steigt der mächt’ge Sonnenwagen, / Die Erde sehnt nach Blättern sich und Düften, / Und heilige Geschichten uns dann sagen / Was sich geahnet in des Herzens Klüften. / Er ist erstanden aus den Todesgrüften / Und …

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Hans Christian Andersen: Der Schmetterling

Der Schmetterling wollte eine Braut haben; und sich natürlicherweise unter den Blumen eine recht niedliche aussuchen. Zu dem Ende warf er einen musternden Blick über den ganzen Blumenflor und fand, daß jede Blume recht still und ehrsam auf ihrem Stengel saß, gerade wie es einer Jungfrau zu sitzen …

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Heinrich Heine: Der Kaiser von China

Mein Vater war ein trockner Taps, / Ein nüchterner Duckmäuser, / Ich aber trinke meinen Schnaps / Und bin ein großer Kaiser. // Das ist ein Zaubertrank! Ich hab’s / Entdeckt in meinem Gemüthe: / Sobald ich getrunken meinen Schnaps / Steht China ganz in Blüthe. // Das Reich der Mitte verwandelt sich dann / In einen …

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