Gedicht

Achim von Arnim: Nachtgefühl bei einer Rose

Ein Stern der Lieb‘ im Himmelslauf
Die offne Brust mit Glanz mir kühlt
Ein Frühling warm im Herzen spielt,
Ein neues Röslein blüht darauf:
Du bist der Stern voll Lieb und Lust,
Dein Athem kühlet meine Brust,
Du bist der Frühling, der mich wärmt,
Der in des Herzens Blume schwärmt,
Du hast die Ros‘ ans Herz gelegt,
So blühst du aussen, blühst darin,
Die Frühlingskraft sich doppelt regt,
Das Röslein wächst und füllt den Sinn,
Ich schwebe in dem Liebes Duft,
Unendlich scheint das Blau der Luft.

Ihr Sterne wähnt in Winternacht,
Daß ich von süssem Weine glüh‘.
O freut euch, wie ich einsam blüh,
Mein Herz bey einer Rose wacht;
Sie ist der Wein von dem ich glüh,
Die ich tiefathmend an mich zieh,
Sie ist von dir der Liebesschein,
Du bist in ihr nun doppelt mein,
Gern thät sich Lust in Worten kund
So lebenswarm, wie Tropfen Blut,
Doch mir das Röslein schliest den Mund
Und thut da kühlend mir so gut;
Die Augen füllt ein süsser Drang:
O Liebesthau, in Thränen Dank.

– Achim von Arnim –

Dieser Text ist Gemeinfrei.

Quelle: Achim von Arnim: Die Kronenwächter (Roman), Erstdruck: 1817

> Siehe auch: Designerkarte (): Rote Rose

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