Am Anfang war das Wort

Achim von Arnim: Nachtlieder an die Braut (1 und 2)

Des Knaben Wunderhorn

1. [Ach Schatz willst du schlafen gehn]

Ach Schatz willst du schlafen gehn,
Schlafe wohl, schlafe wohl,
Schlafe wohl in guter Ruh,
Und thu deine schwarzbraune Aeuglein zu,
Und ruh, und ruh, und ruh in sanfter Ruh.

Ach Schatz, wenn ich nur bey dir wär,
Allein, allein, allein,
Allein im Federbett,
Wir beyde wollten vergnüget seyn,
Und wollten gern allein beynander seyn,
Ach wenn ich dich doch allein in meinen Armen hätt.

Die Geig, die führt einen sanften Ton,
Zeiget an, Zeiget an,
Zeiget an du edle Kron,
Sie zeiget an du edle Kron,
Wie vielmal ich geklopfet schon,
Ich muß, ich muß, ich muß vergeblich stohn.

Ach Schatz nimm dieses Liedlein an,
Es ist, es ist, es ist,
Es ist auf dich gericht,
Nimm nur dies schlechte Liedlein an,
Wie vielmal ich geklopfet an,
Gute Nacht, gute Nacht, gute Nacht mein Schatz.

2. [Ach edler Schatz verzeih es mir]

Ach edler Schatz verzeih es mir,
Daß ich so spät bin kommen,
Die grosse Lieb aus Herzens Begier
Hat mich dazu gezwungen.

Jezt liegt mein Schatz, mein edler Schatz
Gar sanft in seinem Bettchen,
Ey möcht ich ihn ganz inniglich
Mit meiner Musik wecken.

Erweck ich sie, erschreck ich sie,
Es müßt mich herzlich reuen,
Ach könnte ich doch bey ihr seyn,
Und ruhn in ihren Armen.

Sie hat zwey Cristallinisch Stein,
Auf Elfenbein auch Purpur,
Solt ihr geschehn daran ein Leid,
So spräng mein Herz in Stücken.

– Achim von Arnim –

Diese Texte sind Gemeinfrei.

Quelle: Achim von Arnim, Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, Bd. 3, Verlag Mohr, Heidelberg – Frankfurt, 1808, S. S. 12 f.

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