Gedicht

Des Knaben Wunderhorn: Himmelsboten zu Liebchens Himmelbett

     Der Mondschein, der ist schon verblichen,
Die finstre Nacht ist hingeschlichen;
Steh auf du edle Morgenröth‘,
Zu dir all mein Vertrauen steht.

     Phöbus ihr Vorbott wohlgeziert,
Hat schon den Wagen angeschirrt;
Die Sonnenroß sind vorgespannt,
Zügel ruht in seiner Hand.

     Ihr Vorbott der Don Lucifer,
Schwebt allbereits am Himmel her,
Er hat die Wolken aufgeschlossen,
Die Erd mit seinem Thau begossen.

     O fahrt vor ihr Schlafkämmerlein,
Weckt leis die süße Liebste mein;
Verkündet ihr, was ich euch sag,
Mein Dienst, mein Gruß, ein guten Tag.

     Doch müßt ihr sie fein züchtig wecken,
Dabei mein heimliche Lieb entdecken;
Sollt sagen, wie ihr Diener wacht,
So kummervoll die ganze Nacht.

     Schaut an für mich die gelbe Haar,
Ihr Hälslein blank, ihr Aeuglein klar;
Küßt ihr für mich den rothen Mund,
Und wenn sie’s leid’t die Brüstlein rund.

– Achim von Arnim –

Dieser Text ist Gemeinfrei.

Quelle: Achim von Arnim, Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, Bd. 3, Verlag Mohr, Heidelberg – Frankfurt, 1808, S. 78

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