Gedicht

Martin Greif: Die heilige Barbara

Kelch, Höhle, Kirsche

Die heilige Barbara sitzet
Im Zwinger auf blumiger Wies‘,
Ein Hellebardierer stützet
Sich auf den funkelnden Spieß.

Bald werden sie Mauern umgeben,
Da braucht sie den Wächter nicht mehr,
Dort winden die Männer und heben
Die Steine und tummeln sich sehr.

Und sprechen vom büßenden Loose,
Von Foltern und Schlangengezücht.
Sie blättert den Psalter im Schooße
Und achtet der Bauenden nicht.

Es wächst das Gethürm und die Planken
Und Balken sie fallen zugleich.
Der heiligen Jungfrau Gedanken
Sind droben im himmlischen Reich.

– Martin Greif –

Quelle: Martin Greif: Gedichte, Verlag der J. G. Cotta‘schen Buchhandlung, 1868, Stuttgart, S. 83

Siehe auch Grafik (): Himmelstür 

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