Gedicht

Max von Schenkendorf: Ostern

Ostern, Ostern, Frühlingswehen!
Ostern, Ostern, Auferstehen,
Aus der tiefen Grabesnacht;
Blumen sollen fröhlich blühen,
Herzen sollen heimlich glühen,
Denn der Heiland ist erwacht.

      Trotz euch, höllische Gewalten!
Hättet ihn wohl gern behalten,
Der euch in den Abgrund zwang.
Möchtet ihr das Leben binden?
Aus des Todes düstern Gründen
Dringt hinan sein ew‘ger Gang.

     Der im Grabe lang gebunden
Hat den Satan überwunden,
Und der lange Kerker bricht.
Frühling spielet auf der Erden,
Frühling soll‘s im Herzen werden,
Herrschen soll das ew‘ge Licht.

     Alle Schranken sind entriegelt
Alle Hoffnung ist versiegelt,
Und beflügelt jedes Herz;
Und es klagt bei keiner Leiche
Nimmermehr der kalte, bleiche,
Gottverlaßne Heidenschmerz.

     Alle Gräber sind nun heilig,
Grabesträume schwinden eilig,
Seit im Grabe Jesus lag.
Jahre, Monde, Tage, Stunden,
Zeit und Raum, wie schnell verschwunden!
Und es scheint ein ew‘ger Tag.

– Gottlob Ferdinand Maximilian Gottfried von Schenkendorf –

Quelle: Max von Schenkendorf poetischer Nachlaß. Gustav Eichler, Berlin – 1832, S. 159 f.

Dieser Text ist Gemeinfrei.

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