Rainer Maria Rilke: Du wolltest wie andern sein

Du wolltest wie andern sein,
die sich scheu in Kühle kleiden;
deine Seele wollte seiden
ihre müden Mädchenleiden
weiterblühn am Lebensrain.
Aber tief aus deinem Kranken
wagte eine Kraft zu ranken, –
Sonnen lohten, Samen sanken:
und du wurdest wie der Wein.

Und jetzt bist du süß und satt
wie ein Abend auf uns allen, –
und wir fühlen, wie wir fallen,
und du machst uns alle matt…

Rainer Maria Rilke

Dieser Text ist Gemeinfrei.

Quelle: Rainer Maria Rilke: Mir zur Feier (1899), häufig trägt das Gedicht auch den Titel: Gebete der Mädchen zu Maria

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