Am Anfang war das Wort

Sigmund von Birken: Am Karfreitag

Die Sieben Creutz-Worte

Nach der Singweise: Da Jesus an dem Creutze stund.

1.
O Jesu, deine Sieben Wort,
Mit denen du am Creutze dort
Hast gute Nacht gegeben,
Die laß einst seelig führen fort
Auch mich aus diesem Leben.

2.
Laß mich vergeben meinem Feind
Und sterben aller Menschen Freund,
Von gutem Herzen bitten
Vor jeden der es bös gemeint.
Diß waren deine Sitten.

3.
Laß mich bestellen wol mein Haus,
Mein Gut den meinen theilen aus,
Versorgt sie hinterlassen,
Vorsorgen auch üm eine Klaus,
Den Leib ins Grab zufassen.

4.
Gib, daß nach deinem Paradeis
Im Ende meiner Lebensreis
Mög meine Seel verlangen.
Laß nach dem Tod am Himmelskreis
Mich als ein Sternlein prangen.

5.
Dein Geist mir schreyen helf im Tod:
Laß mich nit in der letzten Noht
Von Gott verlassen werden.
Der Tod mir ruffe als dein Bot
Gen Himmel von der Erden.

6.
Alsdann, wann meine Sünd in mir
Sich reget und mich dürst nach dir,
So laß mich nicht verzagen.
Tröst mich durch deinen Diener hier,
Laß mich die Noht ihm klagen.

7.
Kommt aller meiner Tage Nacht,
So laß mich dein »Es ist vollbracht«
Mit Freuden dir nachsprechen.
Gib mir auch, daß fein sanft und sacht
Mir Herz und Augen brechen.

8.
Den Geist, wann er nun reisen sol,
Dein Geist mir helf empfehlen wol
Zu deines Vaters Händen.
Die Seel dein Engel zu dir hol,
So kan ich seelig enden.

9.
Wann ich mit dir stimm also an,
Werd ich dir nach mich als ein Schwan
Gen Himmel können schwingen.
Laß, Jesu, auf der Todesbahn
Mich zu dem Leben dringen.

– Sigmund von Birken

Erstdruck in: J. M. Dilherrns Hertz- und Seelenspeise, oder Emblematische Haus- und Reise-Postill, Nürnberg (Michael und Joh. Friederich Endter) 1663.
Quelle: A. Fischer / W. Tümpel: Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts, Band 5, Hildesheim 1964, S. 83-84

Dieser Text ist Gemeinfrei.

Siehe auch Papierstickerei (): Kreuz im Sonnenschein


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