Gedicht

Wilhelm IX.: Froh biet´ ich mich der Liebe dar (Mit Übersetzung)

Mout jauzens me prenc en amar
Un joy don plus mi vuelh aizir,
E pus en joy vuelh revertir
Ben dey, si puesc, al mielhs anar,
Quar mielhs onra ‚m, estiers cujar,
Qu’om puesca vezer ni auzir.

Leu, so sabetz, no ‚m dey gabar
Ni de grans laus n ‚m say formir,
Mas si anc nulhs joys poc florir,
Aquest deu sobre totz granar
E part los autres esmerar,
Si cum sol brus jorns esclarzir.

Anc mais no poc hom faissonar
Co’s, en voler ni en dezir
Ni en pensar ni en cossir;
Aitals joys no pot par trobar,
E qui be ‚l volria lauzar
D’un an no y poiri‘ avenir.

Totz joys li deu humiliar,
Et tota ricor obezir
Mi dons, per son belh aculhir
E per son belh plazent esguar;
E deu hom mais cent ans durar
Qui ‚l joy de s’amor por sazir.

Per son joy pot malautz sanar,
E per sa ira sas morir
E savis hom enfolezir
E belhs hom sa beutat mudar
E ‚l plus cotres vilanejar
Et totz vilas encortezir.

Pus hom genzor no ’n pot trobar
Ni huelhs vezer ni boca dir,
A mos ops la vuelh retenir,
Per lo cor dedins refrescar
E per la carn renovellar,
Que no pueca envellezir.

Si ‚m vol mi dons s’amor donar,
Pres suy del penr‘ e del grazir
E del celar e del blandir
E de sos plazes dir e far
E de sos pretz tener en car
E de son laus enavantir.

Ren per autruy non l’aus mandar,
Tal paor ay qu’ades s’azir,
Ni ieu mezeys, tan tem falhir,
No l’aus m’amor fort assemblar;
Mas elha ‚m deu mo mielhs triar,
Pus sap qu’ab lieys ai a guerir.

– Wilhelm IX. –

Dieser Text ist Gemeinfrei.

Deutsche Übersetzung: Froh biet´ ich mich der Liebe dar

Froh biet´ ich mich der Liebe dar,
Zu solcher Lust bin ich bereit,
Denn da ich mich der Lust geweiht,
Nehm´ ich des besten Weges wahr.
Sie lieben, Bestes ists fürwahr,
Sie sehn, Sie hören allezeit.

Nicht darf ich prahlen, das ist klar,
Mit eigener Ruhmredigkeit;
Doch blüht mir jemals freudge Zeit,
Beut Sie mir schönste Wonnen dar,
Und glänzt vor Allen hell und klar,
Wie wenn der Tag sich dunstbefreit.

Nie legt man es zur Gnüge dar,
Wie Willenskraft, Beredsamkeit,
Gedant´, und aller Sehnsucht Leid
Nie solche Freude preiset wahr.
Sie recht zu loben wär´ ein Jahr
Selbst eine noch zu kurze Zeit.

Jedwede Lust weicht Ihr fürwahr,
Ihr dient, was Macht heißt, weit und breit,
So hold ist Ihre Freundlichkeit.
So mild der Augen süßes Paar;
Und lebt jemand hundert Jahr,
Sie sättigt` ihn zu keiner Zeit.

Sie heilt den, der verwundet war,
Schafft dem Gesunden Todesleid,
Macht toll den, der bisher gescheit,
Den Schönen aller Schönheit baar,
Zu Bauern macht Sie Ritter gar,
Und ritterlich die Bäurischkeit.

Da nichts sich beut so Schönes dar
Dem Blick noch der Beredsamkeit,
Bleib` ich beständig Ihr geweiht,
Daß Leib und Seele wunderbar
Sie mir erfrische immerdar,
Mich wappne gegen Alters Leid.

Ich bin, beut Gegengunst Sie dar,
Zum Nehmen und zum Dank bereit,
Zum Huldgen und zur Heimlichkeit,
Zu Rath und That unwandelbar,
Auch nehm´ ich Ihres Rufes wahr,
Ihr Lob verkündend weit und breit.

Sie zu beschicken hat Gefahr,
Ihr Zorn gibt mir Muthlosigkeit;
Denn furchtsam bin ich selbst mein Leid
Der Sehnsucht leg´ ich Ihr nicht dar.
O nähme selbst Sie meiner wahr,
Der nimmer ohne Sie gedeiht!

Ins deutsche übersetzt von Karl Ludwig Kannegießer. Dieser Text ist Gemeinfrei.

Quelle: Karl Ludwig Kannegießer: Gedichte der Troubadours im Versmaß der Urschrift übersetzt, Verlag der J. F. Osiander´schen Buchhandlung, Tübingen – 1855 (2)

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