Eingegangen


Theaterdirektor Pozzi hat eine auswärtige Sängerin engagiert. Um sich im voraus einen guten Erfolg zu sichern, läßt er längere Zeit vor Ankunft der Sängerin auf einer ganzen Seite der bekanntesten Zeitung tagtäglich folgende Annonce erscheinen: Das Inserat verfehlte seine Wirkung auf das neugierige …

Fliegende Blätter: Unser Bod’n


Grad‘ a‘ Freud‘ is, hast dei‘ Feld / Und dein‘ Gart’n richti‘ b’stellt, / Hat der Bod’n sei‘ Zeugl kriagt – / Wia’s na‘ d‘ Sunn so außi ziagt, / Wia’s im Zuaschaug’n wachst und treibt, / Und der Bod’n nix schuldi‘ bleibt. / Kraut und Ruab’n und Woaz und Korn – / Net a‘ Körnl ist verlor’n; / Und der …

Reinhard Volker: Der Kranich


Im Schloßparke, der mitten im Städtchen seine Wipfel breitete, wurde ein zahmer Kranich gehalten. Man hatte ihm die Flügel verschnitten; deshalb war er zahm. Er sah sehr lächerlich aus, wenn er gedankenversunken unter den alten Platanen stand und, den nackten Kopf schräg zur Seite neigend, mißtrauisch …

Theodor Fontane: Glückselig sind die Reinen


Ich las: „glückselig sind die Reinen, / Ihr Sinn ist offen Gott zu schaun;“ — / Es trieb in reuevollem Weinen / Hinaus mich in die Frühlingsaun. // Wie schwach sind unsre besten Gaben: / Die Liebe strauchelt und die Treu, / Das Beste was wir Menschen haben, / Ist unser Wolln und unsre Reu. // Ich rief …

Theodor Fontane: Drei-Strophen


Herz, laß dies Zweifeln, laß dies Klauben, / Vor dem das Beste selbst zerfällt, / Und wahre Dir den Rest von Glauben / An Gutes noch in dieser Welt. // Schau hin auf eines Weibes Züge, / Das lächelnd auf den Säugling blickt, / Und fühl’s, es ist nicht alles Lüge, / Was uns das Leben bringt und …

Theodor Fontane: Um Dich


Storch und Schwalbe sind gekommen, / Veilchen auch, die blauen frommen / Frühlingsaugen grüßen mich; / Aber hin an Lenz und Leben / Zieh in Bangen ich und Beben — / Um Dich. // Ach, um Dich! und doch ich fühle, / Träte jetzt die Todeskühle / An mein Herz, und riefe mich, / Wie ein Kind dann, unter …

Theodor Fontane: Alles still!


Alles still! es tanzt den Reigen / Mondenstrahl in Wald und Flur, / Und darüber thront das Schweigen / Und der Winterhimmel nur. // Alles still! vergeblich lauschet / Man der Krähe heisrem Schrei, / Keiner Fichte Wipfel rauschet / Und kein Bächlein summt vorbei. // Alles still! die Dorfes-Hütten …

Theodor Fontane: Nach dem Sturm


O frage nicht warum noch itzt, / Wo mir des Glückes Sonne leuchtet, / Der Gram auf meiner Stirne sitzt, / Und oftmals mir das Auge feuchtet. // Sahst Du das Meer? hoch thürmen dort / Auch nach dem Sturm sich noch die Wogen; / Die Bäume schau: sie tropfen fort, / Wenn längst der Regen …

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