Am Anfang war das Wort

Kurt Tucholsky: Spanische Krankheit?

Was schleicht durch alle kriegführenden Länder? / Welches Ding schleift die infizierten Gewänder / vom Schützengraben zur Residenz? / Wer hat es gesehn? Wer nennts? Wer erkennts? / Schmerzen im Hals, Schmerzen im Ohr – / die Sache kommt mir spanisch vor. // Aber wenn ichs genau betrachte / und hübsch auf alle …

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Rainer Maria Rilke: Der Schwan

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes / schwer und wie gebunden hinzugehn, / gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes. // Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn, / seinem ängstlichen Sich-Niederlassen – : // in die Wasser, die ihn sanft empfangen / und die sich, wie …

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Martin Greif: Die heilige Barbara

Die heilige Barbara sitzet / Im Zwinger auf blumiger Wies‘, / Ein Hellebardierer stützet / Sich auf den funkelnden Spieß. // Bald werden sie Mauern umgeben, / Da braucht sie den Wächter nicht mehr, / Dort winden die Männer und heben / Die Steine und tummeln sich sehr. // Und sprechen vom büßenden Loose, / Von Foltern und …

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Wilhelm Busch: Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen / Und der laute Tag verklingt, / Nur daß auf den höchsten Ästen / Lieblich noch die Drossel singt. // Jetzt in dichtbelaubten Hecken, / Wo es still verborgen blieb, / Rüstet sich das Volk der Schnecken / Für den nächtlichen Betrieb…

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Eduard Mörike: An einem Wintermorgen

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe! / Welch neue Welt bewegest du in mir? / Was ist‘s, daß ich auf einmal nun in dir / Von sanfter Wollust meines Daseyns glühe? // Einem Krystall gleicht meine Seele nun, / Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen; / Zu fluthen scheint mein Geist, er scheint zu …

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Rainer Maria Rilke: Die Engel

Sie haben alle müde Münde / und helle Seelen ohne Saum. / Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde) / geht ihnen manchmal durch den Traum. // Fast gleichen sie einander alle; / in Gottes Gärten schweigen sie, / wie viele, viele Intervalle / in seiner Macht und Melodie …

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Kurt Schwitters: An Anna Blume

0, du Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich liebe dir! — Du deiner dich dir, ich dir, du mir. — Wir? / Das gehört (beiläufig) nicht hierher. / Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer? Du bist — bist du? — Die Leute sagen, du wärest — laß sie sagen, sie sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht …

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