Fliegende Blätter: Unser Bod’n


Grad‘ a‘ Freud‘ is, hast dei‘ Feld / Und dein‘ Gart’n richti‘ b’stellt, / Hat der Bod’n sei‘ Zeugl kriagt – / Wia’s na‘ d‘ Sunn so außi ziagt, / Wia’s im Zuaschaug’n wachst und treibt, / Und der Bod’n nix schuldi‘ bleibt. / Kraut und Ruab’n und Woaz und Korn – / Net a‘ Körnl ist verlor’n; / Und der …

Theodor Fontane: Glückselig sind die Reinen


Ich las: „glückselig sind die Reinen, / Ihr Sinn ist offen Gott zu schaun;“ — / Es trieb in reuevollem Weinen / Hinaus mich in die Frühlingsaun. // Wie schwach sind unsre besten Gaben: / Die Liebe strauchelt und die Treu, / Das Beste was wir Menschen haben, / Ist unser Wolln und unsre Reu. // Ich rief …

Theodor Fontane: Drei-Strophen


Herz, laß dies Zweifeln, laß dies Klauben, / Vor dem das Beste selbst zerfällt, / Und wahre Dir den Rest von Glauben / An Gutes noch in dieser Welt. // Schau hin auf eines Weibes Züge, / Das lächelnd auf den Säugling blickt, / Und fühl’s, es ist nicht alles Lüge, / Was uns das Leben bringt und …

Theodor Fontane: Um Dich


Storch und Schwalbe sind gekommen, / Veilchen auch, die blauen frommen / Frühlingsaugen grüßen mich; / Aber hin an Lenz und Leben / Zieh in Bangen ich und Beben — / Um Dich. // Ach, um Dich! und doch ich fühle, / Träte jetzt die Todeskühle / An mein Herz, und riefe mich, / Wie ein Kind dann, unter …

Theodor Fontane: Alles still!


Alles still! es tanzt den Reigen / Mondenstrahl in Wald und Flur, / Und darüber thront das Schweigen / Und der Winterhimmel nur. // Alles still! vergeblich lauschet / Man der Krähe heisrem Schrei, / Keiner Fichte Wipfel rauschet / Und kein Bächlein summt vorbei. // Alles still! die Dorfes-Hütten …

Theodor Fontane: Nach dem Sturm


O frage nicht warum noch itzt, / Wo mir des Glückes Sonne leuchtet, / Der Gram auf meiner Stirne sitzt, / Und oftmals mir das Auge feuchtet. // Sahst Du das Meer? hoch thürmen dort / Auch nach dem Sturm sich noch die Wogen; / Die Bäume schau: sie tropfen fort, / Wenn längst der Regen …

Theodor Fontane: Sonette


Ein Leben war’s, mit Kolben und mit Knütteln / In diesen eitlen Jammer drein zu schlagen, / Doch hab ich still ein lästig Joch getragen, / Und meiner Pflicht gehorcht und ihren Bütteln. // Jetzt aber, wo an Winters Thron zu rütteln, / Voll Lerchenschlag, die Frühlingslüfte wagen, / Jetzt will auch ich …

Theodor Fontane: Bekenntniß


Ich bin ein unglückselig Rohr: / Gefühle und Gedanken / Seh rechts und links, zurück und vor, / In jedem Wind, ich schwanken. / Bald ist’s im Herzen kirchenstill, / Bald schäumt’s wie Saft der Reben, / Ich weiß nicht, was ich soll und will; — / Es ist ein kläglich Leben! // Da liegt nichts zwischen …

Theodor Fontane: Hinaus!


Ich bin es satt auf Polstern mich zu dehnen, / Es ekelt mich dies weibergleiche Thun, / Ich möcht im Kampf anspannen alle Sehnen, / Mich müd und matt an die Lafette lehnen, / Und käm der Schlaf auf bloßer Erde ruhn. // Ich möcht hinaus! umbrüllt von Sturm und / Wettern / Möcht ich zu Schiff auf hohem …

Theodor Fontane: Der Kranich


Rauh ging der Wind, der Regen troff, / Schon war ich naß und kalt; / Ich macht’ auf einem Bauerhof / Im Schutz des Zaunes Halt. // Mit abgestutzten Flügeln schritt / Ein Kranich drin umher, / Nur seine Sehnsucht trug ihn mit / Den Brüdern über’s Meer; // Mit seinen Brüdern, deren Zug / Jetzt hoch …

Cookie Consent mit Real Cookie Banner